Ein Leben wie bei Sex and the City

Als „Sex and the City“ ausgestrahlt wurde, schaute ich zusammen mit meiner Mama wissbegierig auf den Fernseher und mein Kopf färbte sich mindestes einmal pro Folge rot, während prickelnde Sexszenen mit Samantha oder Miranda gezeigt wurden. Ich war sehr klein und verstand den größten Teil der Serie nicht, aber eines verstand ich: Die Frauen hatten super Jobs, sahen immer schick aus und gingen jeden Abend auf Veranstaltungen und Partys. Das war das erwachsene Leben, das ich mir vorgestellt hatte: Glamourös, erfolgreich und alles andere als langweilig.

Als ich erwachsener wurde und die Erfahrungen mit Dates und Partys zunahm, war es an der Zeit, die Serie noch mal anzuschauen. Ich musste wieder feststellen, dass „Sex and the City“ immer noch ziemlich fabelhaft war! Oft traf ich mich mit meiner Freundin und wir sagten: „Lass uns heute so ausgehen wie bei Sex and the City!“. So schön angezogen, so sexy und vor allem an einen Ort, der glamourös ist. Für mich war es damals der Inbegriff der Emanzipation. Egal wie oft wir es jedoch versuchten, wir scheiterten jedes Mal an unserem Vorhaben „a la Sex and the City“ und landeten doch wieder in der kleinen Lieblingsbar an der Ecke. Was fehlte uns also? Das Alter, die Kontakte, das Geld oder die Jimmy Choos?

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Letzte Woche telefonierte ich mit meiner Freundin und da hörte ich wieder diesen Satz: „Lass uns so ausgehen wie Carry!“ und ich konnte nicht anders, als zu widersprechen. Es würde ja eh nicht funktionieren, wozu also den Anschein machen, etwas zu sein, was wir nicht sind? Meine Freundin entgegnete mir ganz selbstverständlich: „Natürlich sind wir nicht so, wir suchen nicht so verzweifelt nach Sex und Männern!“, und da wurde es mir plötzlich ganz klar. Waren wir wirklich so selbstsicher, emanzipiert und frei in unseren Gedanken, dass wir nicht wie besessen halb nackt von Bar zu Bar hetzen, um uns wie Fleisch zu präsentieren, damit uns dann irgendein Mann abschleppt und wir uns dadurch besser fühlen? Denn offensichtlich, beim weiteren Nachdenken, war es genau das, was von Folge zu Folge in der Serie passierte. Aber wo bleibt dann der emanzipierte Gedanke, dass man keinen Mann braucht um glücklich zu sein?!

Ich denke nicht, dass es falsch ist, mit vielen Männern zu schlafen, wenn es für die Person das Richtige ist und sie sich dadurch gut fühlt, aber tun das die Frauen in der Serie? Die meiste Zeit beschweren sie sich darüber, dass es keine anständigen Männer gibt, gehen aber trotzdem mit ihnen ins Bett. Außer natürlich Samantha, sie war zumindest am Anfang die Emanzipation in Person. Ihr schien alles egal zu sein und ihr waren nur zwei Sachen wichtig: sie selbst und ihre Freundinnen. Aber selbst sie wurde zum Opfer von Liebe, Betrug und schlechten Männern. Wenn ich mir aber die Frauen in ähnlichen Positionen wie wir sie präsentiert gekriegt haben anschaue –  erfolgreiche Journalistinnen, Anwältinnen und Galeristinnen –  dann sehe ich nicht das Leben, das uns so schön dargestellt wurde. Ich sehe gestresste Frauen mit kaum Freizeitaktivitäten und noch seltener sehe ich schöne Jimmy Choos.

Warum ist also so ein Hype um die Serie? Ich denke nicht, dass es nur wegen den schönen Kleidern und Schuhen ist, die die Frauen dort so selbstsicher tragen. Ich denke, es ist eine so erfolgreiche Serie, weil es mal wieder um Liebesdramen geht. Darum, ob Carrie es in den sieben Staffeln doch schafft, Bigs Herz zu öffnen, Miranda mit Steve zusammen zu sein und Charlotte ihre glückliche Familie zu haben. So scheint es also, als wäre am Ende doch wieder die Begierde nach einem Mann und einer glücklichen Familie das Happy End in unserer Gesellschaft. Naja, ich gehe mal noch eine Folge schauen und mir vorstellen, die Welt sei noch wie damals, als ich mit roten Wangen im Sessel neben meiner Mom im Wohnzimmer das erste Mal Carries und Bigs erste Begegnung beobachtete.

2 Antworten auf „Ein Leben wie bei Sex and the City

  1. Ich muss gestehen, ich bin großer SATC Fan und habe die Serie auch schon mehrmals durchgesuchtet. Ein kleines bisschen habe ich mich damals auch immer in dieses glamouröse Leben reimgeträumt 😀 Aber deine Gedanken dazu sind auch sehr interessant – ich denke die Serie hat damals einfach irgendwie den Zeitgeist getroffen weil sie anders war als alles zuvor & wurde deswegen so erfolgreich. xxx

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  2. Ich habe SATC auch geliebt und irgendwie waren die Frauen auch Vorbilder für mich. Ich finde es nur schade, dass ein Happy End immer daraus bestehen muss, zu heiraten und eine Familie zu gründen (außer bei Samantha). Es ist ein bisschen wie in Märchen, in denen der Prinz das Mädchen rettet. Irgendwie kein Ende, das mir gefällt, weil es die Lebenswirklichkeit nicht trifft und alles andere als emanzipiert ist. Ich kann deine Sicht sehr gut nachvollziehen, dennoch macht mir die Serie aus nostalgischen Gründen auch heute noch Spaß. 🙂

    Liebst
    Eve von http://www.eveblogazine.com

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